Kurz vor Null

Schwetzinger Zeitung 15.08.2013

Sechs Mal heißt es „Kurz vor Null“

 

Ketsch. Die Laienspielgruppe "Rampenlicht" steht bereits unter (positivem) Stress und probt schon kräftig für das neue Stück "Kurz vor Null", ein Kriminalstück von Agatha Christie.

 

Die Geschichte beginnt mit einer Einladung von Lady Tressilian, einer älteren, wohlhabenden, humorlosen und bettlägerigen Dame. Sie lädt zum Ende des Sommers den alternden Tennisstar Nevile Strange ihr Haus an der Küste zu einem Urlaub ein. Plötzlich ist Lady Tressilian tot - sie wurde ermordet . . .

Schon in den vorvergangenen Jahren hat die muntere Truppe um Dirk Berger ihre Vorliebe für Krimis der britischen Schriftstellerin perfekt für die Bühne umgesetzt. Es wird wieder sechs Vorstellungen im Ferdinand-Schmid-Haus geben - am Freitag, 13., und Samstag, 14. September, jeweils um 20 und am Sonntag, 15. September, um 16 Uhr. Weitere Vorstellungen sind dann am Freitag, 20., und Samstag, 21. September, wieder jeweils um 20 und am Sonntag, 22. September, um 16 Uhr. wi

Schwetzinger Zeitung 28.08.2013

„In einer schwierigen Situation“

Es geht voran, doch noch ist unklar, wer der Täter ist: Dario Jelinic, Gisela Stratthaus, Verena Seppich und Jürgen Abel (von links) sind derzeit mit Feuereifer dabei, ihre Rollen für Agatha Christies Stück "Kurz vor null" mit Leben zu füllen.

Ketsch. "Können wir anfangen?", fragt Dirk Berger. "Ja", rufen alle im Bereich vor der Bühne. Und kurz darauf geht es los: Eine alte Dame humpelt, gestützt auf einen Stock, durch den Raum, lässt sich auf einen Stuhl fallen und sagt erschöpft: "Wir sind augenblicklich in einer schwierigen Situation."

 

Nur noch wenige Wochen Zeit

Jedoch nicht die Theatergruppe "Rampenlicht": Die Akteure stehen fest, die Rollen sind verteilt, die Texte fast schon auswendig gelernt.

 

Der Reihe nach erscheinen einige Darsteller in der Mitte des provisorisch eingerichteten Bühnenbilds, andere stehen daneben und halten sich für ihren Auftritt bereit. Die Proben der Theatergruppe "Rampenlicht" laufen auf Hochtouren, denn schließlich bleiben bis zur Premiere nur noch wenige Wochen Zeit.

Zum zehnjährigen Bestehen hat sich das Team für das Kriminalstück "Kurz vor Null" von Agatha Christie entschieden. "Ursprünglich wollten wir eine Boulevardkomödie auf die Bühne bringen", sagt Dirk Berger, "jedoch sind einige Schauspieler krank geworden und die Aufführung im April musste wegfallen." In fast fünfzigprozentiger Neubesetzung wagten sich die Laienschauspieler nun also an die Bühnenfassung eines Krimis von Agatha Christie. An diesem Stück wird inzwischen seit Ende Mai geprobt.

 

Montags sind die Probenabende

"Wir treffen uns jeden Montag", fährt Berger fort, "kurz vor der Premiere jedoch öfter, denn es darf nichts dem Zufall überlassen werden." Bei der Auswahl der neuen Mitglieder wurde darauf geachtet, dass sie Bühnenpräsenz oder auch Bühnenerfahrung aufweisen und bereit sind, viel Text zu lernen.

"Wir versuchten", sagt Jessica Rohr, "Mitspieler zu finden, die für die Rolle möglichst genau passen." Und nach der ersten Szene wurde klar: Die Rollen sind den Laienschauspielern wie auf dem Leib geschnitten.

"Ich muss jemanden darstellen, der eigentlich wenig von mir hat", erzählt Janine-Marielle Ruch, "ich merke aber, wie ich in die Rolle hineinwachse und wie viel Spaß es macht, jemanden Bösen zu spielen. In jedem von uns gibt es eine dunkle Seite, von der wir uns so bewusst werden", ergänzt sie.

"Verraten Sie in Ihrem Bericht bitte nicht, wer von uns welche Rolle spielt, das sollen dann die Zuschauer selbst herausfinden", meinte Dario Jelinic. "So kommt mehr Spannung ins Stück und das Publikum bleibt neugierig."

Natürlich soll auch die Handlung nicht vorweggenommen werden und erst recht nicht, wer der Mörder ist. Dass es im Stück jedoch um Mord geht und um viele Verdächtige, darf verraten werden und auch, dass die Einzige, die für die Begehung der Tat nicht infrage komme, die Souffleuse Lena Baro sei. Dafür stehen alle anderen unter Verdacht: Jürgen Abel zum Beispiel oder Sonja Keller, Alexander Falco Sturm, Ilona Fischer-Volk. Vielleicht auch Klaus-Peter Listing? Erst bei der Premiere am 13. September wird das Geheimnis gelüftet.

Bei den zwölf Theaterbegeisterten, die sich im Ferdinand-Schmid-Haus zur Probe eingefunden haben, ist jedes Alter vertreten und jede Berufsgruppe, von Studenten über Lehrer, Sozialarbeiter, Flugbegleiter bis zu Rentner.

 

Atmosphäre macht den Reiz aus

Eines haben sie gemeinsam: die Freude am Theaterspielen. "Die Atmosphäre macht für uns den Reiz dieses Projektes aus", sagt Janine-Marielle Ruch, "obwohl wir eine so gemischte Gruppe sind, vielleicht auch gerade deshalb, verstehen wir uns sehr gut und haben viel Spaß an unseren wöchentlichen Treffen." Ohne die Begeisterung der Beteiligten und ihre Freude am Theaterspielen "liefe hier nichts", meinte auch Berger, der die Leitung innehat, aber sehr demokratisch vorgeht. Während der Proben gibt er Tipps, wie bestimmte Charakterzüge der dargestellten Personen am besten umzusetzen sind: "Bitte hier eine Pause einlegen, schau Dein Gegenüber an.".

Jedoch kann jedes Mitglied der Gruppe seine eigenen Ideen einbringen, auch was das Bühnenbild betrifft. "Es wird authentisch nachgestellt", gibt Jessica Rohr preis, "jeder bringt von zu Hause mit, was er vorrätig hat."

 

Viele markante Charaktere

Wie jeder Krimi von Christie ist auch dieses Stück geprägt von markanten Charakteren. Diese zu erarbeiten und die durch Misstrauen, Hass und Neid entstehende Spannung wiederzugeben, ist die besondere Herausforderung der Darsteller. "Passieren darf bis zur Premiere nichts", hofft Berger, "denn die Rollen sind nicht doppelt besetzt." Allmählich schreitet die Zeit allerdings voran.

Die erste Szene ist zu Ende, was fehlt, ist der Applaus. Aber es ist ja nur Probe.

 

Maria Herlo/Schwetzinger Zeitung

Schwetzinger Zeitung 17.09.2013

Tote Lady wirbelt Staub auf

Schwarze Flecken auf weißer Weste haben alle Protagonisten im neuen Stück der Laienspielgruppe "Rampenlicht" - sowohl Audrey Strange (Sonja Keller) und Thomas Royde (Dario Jelinic) als auch Mathew Treves (Jürgen Abel) (linkes Bild, v. l.). Oder kommt etwa auch die neue Frau von Neville Strange, Kay (Janine-Marielle Ruch), als Tatverdächtige in Frage (rechtes Bild, r.)? Dieses Rätsel gilt es während der Aufführung zu lösen.

KETSCH. "Sie ist tot!" Mit diesem Spruch brettert sichtlich bewegt Audrey Strange (Sonja Keller) im dritten von sechs Bildern auf die Bühne des Ferdinand-Schmid-Hauses und mitten ins morgendliche Gespräch zwischen Ex-Gatte und alterndem Tenniscrack Neville Strange (Dirk Berger), dessen aktueller junger Angetrauter Kay (Janine-Marielle Ruch) und Advokat Mathew Treves (Jürgen Abel).

Diese Szene erleben die Besucher bei der Laienspielgruppe "Rampenlicht", deren neues Stück "Kurz vor Null" aus der versierten Krimifeder der britischen Autorin Agatha Christie - im Original titelt es "Towards Zero" - stammt.       

 

Aufpassen ist angesagt       

 

Wir befinden uns in den späten 50er Jahren im Salon des mondän-englischen Landhauses von Lady Camilla Tressilian (Gisela Stratthaus) an der Küste Englands. Die Protagonisten sind rund um das bequem wirkende monumentale Sofa unter dunkelroten Gardinen und pompösen Bilderrahmen versammelt, auf dem wenig zuvor - in der Handlung am Vorabend - die alte Lady kurz saß, zum letzten Mal lebend gesehen wurde. Zu diesem Zeitpunkt steigt die Spannung rapide an. Für die Zuschauer heißt es extrem aufpassen, nicht nur genießen und abwarten, was passiert. Auf allen Stühlen liegt eine Liste mit den Namen der potenziell Verdächtigen.       

                               

Bis zur Pause, die nach der vierten Vorhangöffnung und wieder Schließung eingebaut ist, sollen die Hobby-Miss-Marples oder Sherlock-Holmes-Fans ihren Tipp abgeben, wer der vermögenden Familienchefin und Erbtante Camilla Tressilian auf gar grausige Weise den Garaus machte. Derjenige, der richtig liegt, wird am Ende auf die Bühne geholt und erhält Freikarten für das kommende Stück der aktiven Schauspielgruppe.       

                               

 Nachdem die "Flecken auf dem weißen Dinnerjackett" von Neville ebenso ins Rennen um die Pole-Position für den Mördertitel gehen, wie die schiefen Biografien aller Beteiligten, von denen keiner so recht die sprichwörtliche "weiße Weste" trägt, heißt es Spürsinn beweisen und aus Kleinigkeiten, vermeintlichen Nebensächlichkeiten die richtigen Rückschlüsse zu ziehen. Häppchenweise servieren diese die Figuren mit ordentlich Mimik, gestenreich und einem Schuss Witz.       

                               

Fragen über Fragen       

                               

Waren es wirklich Mäuse auf dem Speicher, die Thomas Royde (Dario Jelinic) zum Tatzeitpunkt gehört haben mag, was er im Verhör der Inspektorin Mrs. Lord (Jessica Rohr) und Detective Inspector Leach (Peter Listing) zu Protokoll gibt? Warum war Mary Aldin (Verena Seppich), die Gesellschafterin Lady Tressilians, am Mordabend so unendlich müde? Und welche Rolle spielt der Freund der neuen Mrs. Strange, Ted Latimer (Alexander Falco Sturm)? Ist Hass das Motiv? Oder etwa Geldnot, hohe Schulden? Wer heuchelt am meisten?       

                              

Diese Fakten sollen sich die Besucher der kommenden drei Vorstellungen am Freitag, 20., Samstag, 21., und Sonntag, 22. September, selbst erarbeiten, weshalb an dieser Stelle kein Quäntchen davon verraten wird. Soviel sei kundgetan: Sie werden Zeugen einer Schauspieltruppe, die vortrefflich versteht in Szene zu setzen, was die Krimimeisterin in Worte fasste. Mit englischer Kühle, Dekadenz und Spitzfindigkeiten gehen sie ans Spielwerk und lassen nur recht wenig in die seelischen Abgründe der einzelnen Charaktere schauen, die sich den Zuschauern dennoch schnell erschließen.       

                               

Das gibt Diskussionsstoff für die Pause, die mit belegten Brötchen und Getränken bestückt dazu dient, den Favoriten festzuzurren. Liane Gärtner und Angelika Rohr etwa schwören darauf, dass der zwielichtige und aalglatte Thomas Royde mit dem Golfschläger zugehauen hat. Bürgermeister Jürgen Kappenstein setzt "auf den Außenseiter Ted Latimer", wie er sagt - wie die Story endet, erfahren lediglich die Gäste der Rampenlichter und all jene, die den Krimi kennen oder nachlesen.

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