Wie in einem Spinnennetz

Schwetzinger Zeitung vom 19. März 2012

Etliche Motive und eine fehlende Leiche

Ferdinand-Schmid-Haus: Die Theatergruppe "Rampenlicht" führt unterhaltsam Agatha Christies Krimistück "Wie in einem Spinnennetz" auf.

 

KETSCH Wenn man liest, dass sich Agatha Christies Bücher bis heute mehr als vier Milliarden Mal verkauften, weiß man, wie beliebt diese Krimiautorin ist. Sowohl ihren Geschichten, als auch Theaterstücken gelingt es, mit Humor Spannung aufzubauen und das mit Lebendigkeit, farbiger Dichte und Beobachtungsgabe.

 

Auch das Kriminalstück Wie in einem Spinnennetz, das Regisseur Dirk Berger mit der Theatergruppe Rampenlicht inszeniert und im Ferdinad-Schmid-Haus auf die Bühne gebracht hat, entwickelt witzig jede Menge Spannung. Davon konnten sich die zahlreichen Zuschauer, die das Stück sehen wollten, im Laufe der Aufführung überzeugen. Wo passiert es sonst noch, dass beim Anblick einer Leiche der ganze Saal in Lachen ausbricht?

 

Nachdem der Vorhang zur Seite geschoben wird und die einstimmende Musik verebbt, erscheint vor den Augen der Zuschauer ein aufwendig gestaltetes Bühnenbild, ein englischer Salon eines Landhauses. Die Lady des Hauses, Clarissa Henderson-Brown (Sonja Keller), arrangiert die Karten, hinter dem Sofa liegt eine Leiche. Doch weder Miss Marple noch Inspektor Poirot ermitteln, sondern Inspektorin Lord (Jessica Rohr), die hinter dem Mörder herschnüffelt, und das ohne Trenchcoat und Pfeife, sondern gekleidet in einem strengen Anzug und mit einem Zopf fest geflochtenem Haar.

 

Eine Leiche liegt im Weg

Nachdem Clarissa die Leiche entdeckt hat, erkennt sie darin Oliver Costello (Holger Mohr), den zweiten Mann von Henry Hendersons erster Frau, der sie vor kurzem schon aufgesucht und sie zu erpressen versucht hatte. Entsetzt ruft sie sofort ihre drei Freunde aus gehobenen Kreisen - Sir Rowland Delahaye (Dirk Berger), Hugo Birch (Reiner Scheer) und Jeremy Warreder (Alexander Sturm) - an, die sich auf dem nahe gelegenen Golfplatz befanden, damit diese ihr helfen, die Leiche fortzuschaffen. Ihr Mann ist eben dabei einen hohen Regierungsbeamten abzuholen und ins Haus zu bringen. Als die Freunde die Leiche durch eine geheime Hintertür wegschaffen, klingelt an der Tür Inspektorin Lord und bittet um Einlass. Ein anonymer Anrufer habe sie informiert, dass in diesem Haus ein Mord geschehen sei. Während des Verhörs verstricken sich sowohl Clarissa als auch ihre Freunde wie in einem Spinnennetz in Widersprüchen. Als dann kurz vor der Pause auch die Leiche aus dem Versteck verschwunden ist, ist die Verwirrung komplett.

 

Wer ist der Mörder? Nach dem bewährten Agatha-Christie-Muster ist jeder verdächtig: War es etwa Clarissa oder der Bezirksabgeordente Birch? War es vielleicht die Stieftochter Pippa Hederson-Brown (Verena Berger), die Costello hasste? Aber es könnte auch die Gärtnerin Miss Peak (Gisela Stratthaus) gewesen sein, die schon von Berufs wegen verdächtig ist. Oder war es die Haushälterin (Ilona Fischer-Volk)?

 

Überzeugende Darsteller

Sonja Kellers energisches Auftreten als englische Mrs. Henderson-Brown überzeugt, sie findet jede Menge Ausreden für seltsame Vorgänge. Doch Jessica Rohr als ruhige, aber hartnäckig ermittelnde Inspektorin Lord zweifelt daran. Dirk Berger als ihr Vormund Sir Rowland Delahaye vertritt glaubwürdig den ehrlichen Freund und Geliebten. Alexander Sturm als Jeremy Warrender passt in die Figur des smarten, verwöhnten Burschen, der seine Zeit mit Bridge und Golfspielen totschlägt. Durch Gisela Stratthaus als Gärtnerin und die famose Ilona Fischer-Volk als Haushälterin bekommt die Inszenierung etwas Schwung und einen komödiantischen Touch. Für das ganze Ensemble einschließlich des Polizeiarztes (Gregor Ries) und der Souffleuse (Gabi Neidig), gab es am Ende viel Applaus.

 

Maria Herlo/Schwetzinger Zeitung

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