Wie wär's denn Mrs. Markham

Schwetzinger Zeitung vom 19. April 2010

Liebschaften zur Teestunde

Theatergruppe "Rampenlicht": Talentierte Hobbyschauspieler entführten in die Welt der Komödie / Beachtliche Leistung

 

KETSCH Ein "Edelzwicker" ist bekanntlich ein gutes Tröpfchen, das man sich gerne auf der Zunge zergehen lässt, das behagliche Momente verspricht und hilft, ein Stückchen "savoir vivre" ins Leben zu zaubern. Für Alistair Spenlow (im wahren Bühnenleben ein leidenschaftlicher Stephan Bauer) aber ist ein "Edelzwicker" jener Griff in den Allerwertesten, der ihm lustvolle Momente mit Swetlana Kurnikowa (eine Faschingsprinzessin in ihrer besten Rolle: Verena Berger) prophezeit.

 

Wie dies? Am Besten von Anfang an. Dieser findet sich in just jener Sekunde, als das Hausmädchen Swetlana dem Innenarchitekten Alistair mit einem verheißungsvollen Kniff ein Schäferstündchen zu versprechen wagt. Die Bühne ihres Lebens aber ist in diesem Moment ein Karussell, denn - ach wie schön die Frühlingslüfte wehen - ein Versprechen wie dieses haben noch mehr Menschen um sie herum gegeben.

 

Wie gut, dass die Laienschauspielgruppe Rampenlicht aus Ketsch da noch mehr hervorragende Hobbyakteure ins Feld schicken kann, denn mit den Leidenschaften von Linda Lodge (Conny Faulhaber, die ihre Rolle als Souffleuse ad acta legte und nun prächtig schauspielert), ihrem Ehemann Henry Lodge (alias Sven Wolf, der keinen Zweiel daran ließ, dass er sein spielerisches Talent gerne auf die Bühne bringt), einem bestürzten Walter Pengbourne (als Rosenkavalier: Reiner Scheer) und einer hoffnungsfrohen Felicity Jane Wilkinson (gefühlsbetont: llona Fischer-Volk) ließ sich das kunterbunte Geschehen des Stückes Wie wär's denn Mrs. Markham herrlich auf die Spitze treiben.

Ein Glück, dass da wenigstens Joanne Markham (ein unglaubliches Texttalent: Jessica Rohr) und ihr Mann Philip Markham (Mr. "Wo geht's hier zum Broadway?" - Dirk Berger) den Überblick behalten...

 

Vergnügliche Verwechslungen

Kurz und gut: Wenn einer ein Schäferstündchen wagt, dann ist es nett. Wenn gleich mehrere ein solchen Stelldichein planen, dann wird es kniffelig. Vor allem wenn sie verheiratet sind - so wie die Lodges - und die gleiche Bettstatt (nämlich die ihrer Freunde, den Markhams) nutzen wollen. Dann gibt es Verirrungen, Verwirrungen und vergnügliche Sekunden, die so fulminant über die Bühne brausen, wie es nur ein Laientheater kann.

 

"Nahezu ausverkauft", konnte die Theatergruppe Rampenlicht an drei Tagen vermelden und dies zu Recht, denn fast ein ganzes Jahr Probezeit hatten sich nicht nur rentiert, sondern überzeugten das Publikum, welches Applaus spendete, bis der Vorhang nochmals fiel.

Doch zuvor durften sie sich an den üblichen Verdächtigungen erfreuen, an den heiteren Verwechslungen, den Irritationen einer Kinderbuchautorin (bestens besetzt mit Gisela Stratthaus) und der Erkenntnis, dass Liebe einfach dorthin fällt, wo man sie sucht. Doch was wirklich währt, ist die Ehrlichkeit. Doch diese hat viele Irrwege zu bestehen, bevor sie - nach unendlichen Lachsalven - schließlich im Raume steht.

 

Zur Entspannung präsentierte Dirk Berger eine einzigartige, weil selbst zusammengetragene Ausstellung. Zentaler Punkt: die aus Mannheim stammende Hollywoodschauspielerin Christiane Schmidtmer, welche selbst einst die "Miss Wilkinson" am Broadway spielte. So schloss sich der Kreis ohne Mühe zwischen gelungenem Laienschauspiel und dem Publikum, das sich an drei Abenden für kurzweilige Darbietungen bedankte.

 

Anke Koob/Schwetzinger Zeitung

 

BAZ vom 24./25. April 2010

Alle mit allen und niemandem

"Rampenlichter" entführen in die Tiefen der Komödie / Applaus für glänzende Leistung

 

KETSCH Mit viel Liebe zum Spiel und einem schier unerschöpflich wirkenden Probeneifer hatten sie es schließlich geschafft: Gleich dreimal spielte die Theatergruppe Rampenlicht in Ketsch vor fast ausverkauftem Haus. Das Ferdinand-Schmid-Haus war dabei ihre Bühne und zugleich der Austragungsort der dynamischen Verwechslungskomödie Wie wär's denn Mrs. Markham.

 

Das Stück hatte Dirk Berger als Regisseur spontan inspiriert - nicht nur zu einem Auftritt vor heimischem Publikum, sondern auch zu einer kleinen Ausstellung über eine Aktrice, die es von Mannheim bis nach Hollywood schaffte. Im Foyer hatte er daher eine eigens zusammengestellte Betrachtung ihres Lebens ausgestellt: Christiane Schmidtmer spielte in der Rolle der "Miss Wilkinson" einst am Broadway. Die Spielfreudigen aus Ketsch haben das Stück nun selbst auf die Bühne gebracht.

 

In diesem Jahr haben sie sich für Liebe und Triebe entschieden, deren Irrungen und Verwirrungen in einer perfekten Kulisse vorgetragen wurden. Dort hatten Joanne Makham (Jessica Rohr) und ihr Mann Philip (Dirk Berger) alle Hände voll damit zu tun, ihre lüsternen Freunde voneinander fernzuhalten und damit auch von ihren Liebschaften. Denn als geheimer Treffpunkt galt ihr eigenes Schlafgemach.

Ein Umstand, der für das Verlagsgeschäft nicht zuträglich sein dürfte, denn inmitten der geplanten Schäferstündchen platzte auch noch eine Kinderbuchautorin (Gisela Stratthaus), die naiv und voller Vorfreude auf nun anbrechende Zeiten sich in die Gespräche einzumischen wusste. Viele komische Momente waren so dem Stück sicher und erhielten zum Dank einen ausführlichen Lachkanon des Publikums aller drei Aufführungen.

 

Herrlich bunt und mit viel Effekt ging es da daher auf der Bühne und auch die zwischenmenschlichen Aspekte wurden nicht außer Betracht gelassen: Ob nun Männer Männer lieben oder Frauen Frauen bevorzugen, ob Inneneinrichter (Stephan Bauer) polnische Dienstmädchen (Verena Berger) lieben dürfen oder alle miteinander oder keiner mit niemandem? Allein die angeblich ach so prüde Welt der Engländer kann die Antwort geben. Für die Zuschauer in Ketsch abr galt schlicht: Betrachten, erfahen und genießen und dann sich dem Besten (dank dem hervorragenden Schauspiels auf der Bühne) am Abend widmen: dem Lachen.

 

sa/Badische Anzeigen Zeitung

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